Vanthoor wahrt seine Chance
(21.11.2009) In Macau nähert man sich dem Höhepunkt der Veranstaltung: dem 56. Macau Grand Prix. Am morgigen Sonntag entscheidet sich, welcher der weltbesten Formel-3-Piloten seine Saison mit dem prestigeträchtigsten aller Formel-3-Siege krönen wird. Laurens Vanthoor hat zwar nicht beste, aber dennoch gute Chancen dazu.
Nachdem der Champion des ATS Formel-3-Cup während aller Trainings und Qualifyings im Spitzenfeld der 31 Starter zu finden war, bestätigte der 18-jährige Begier diese Leistung auch im Qualifikationsrennen. Aus der sechsten Startposition ins Rennen gestartet, wurde Vanthoor als Fünfter im Dallara-Volkswagen des französischen Teams Signature abgewinkt. Vor allem im zweiten Qualifying hatte Vanthoor Pech gehabt: „Ich war gerade auf frischen Reifen unterwegs, da gab es schon wieder eine Rotphase. Eine einzige schnelle Runde musste genügen, in der ich auch noch einen kleinen Fehler hatte. In jeder anderen Meisterschaft wäre ich noch auf Platz zwei gekommen, hier bedeutete dieser kleine Fehler gleich Startplatz sechs - nicht optimal für das Qualifikationsrennen.“
Dieses über 10 Runden dauernde Rennen, aus dem sich die eigentliche Startaufstellung für den Grand Prix ergibt, musste schon in der ersten Runde mit dem Safety-Car unerbrochen werden: der Amerikaner Jake Rosenzweig Dallara-Mercedes) war in der schnellen Mandarin-Kurve eingeschlagen. Während Vanthoor seinen sechsten Platz beim Start behaupten konnte machte Stef Dusseldorp mächtig Boden gut. Der Vizechampion des ATS Formel-3-Cup schob sich schon in der ersten Runde vom 25. Startplatz auf Platz 19.
Ganz vorne hielt der Pole-Sitter alles in der Hand. Marcus Ericsson führte im Tom’s-Toyota vor Jean-Karl Vernay und Edoardo Mortara (beide Dallara-Volkswagen). Da war der Meister der Formel-3-Euroserie schon beim Boxenstop. Jules Bianchi hatte die Front seines Dallara-Mercedes beim Zweikampf mit Edoardo Mortara beschädigte. Nach drei langsamen Runden wurde das Rennen zum vierten Umlauf wieder freigegeben. Dies war die Chance für Jean-Karl Vernay. Der Franzose holte sich die Führung mit einem harten Bremsmanöver in der berüchtigten Lisboa-Kurve und baute sofort seinen Vorsprung auf gut drei Wagenlängen aus. Auch Laurens Vanthoor nutzte den Re-Start um sich auf Platz fünf zu schieben. Damit lagen drei Volkswagen-Piloten (Vernay, Mortara und Vanthoor) auf den ersten fünf Plätzen - dazwischen lediglich Ericsson (Toyota) und Vatteri Bottas (Mercedes).
In der siebten Runde zerstörte der Macau-Rentner Michael Ho, der als 41-Jährger zum zehnten Mal antritt, seinen Dallara-Mercedes auf dem drittletzten Platz liegend. Die folgende zweite Safety-Car-Phase dauerte gut zwei Runden und beendete das ansonsten ereignisarme Rennen. Mit dem Sieg im Qualifikationsrennen und der gezeigten Überlegenheit dürfte der Franzose Jean-Karl Vernay im 56. Macau Grand Prix nur schwer zu schlagen sein, zumal er auch den Worten von Volkswagen Motorsport-Direktor Kris Nissen folgen will. „Er hatte gesagt, wenn du nach Macau willst, musst du auch gewinnen. Das habe ich heute getan. Gerade hat er allerdings gesagt, wenn ich nächstes Jahr zurückkommen will, muss ich auch morgen gewinnen. Also habe ich doch gar keine andere Möglichkeit“, zeigt Vernay sich entschlossen.
Der Schwede Marcus Ericsson hat auf Startplatz zwei die besten Chancen, ihm in die Suppe zu spuken. Vom dritten Platz wird der Italiener Edoardo Mortara angreifen, während der Finne Valtteri Bottas den vierten Startplatz einnehmen wird. Mit Startplatz fünf erzielte Laurens Vanthoor eine weiterte Verbesserung seiner Chancen. Dabei erfuhr der 18-Jährige dass im Spielerparadies Macau Glück und Pech sehr eng vereint sind. „In der sechsten Runde habe ich leicht die Mauer berührt und mir die Rad-Aufhängung verbogen. So war ich froh, dass das Rennen hinter dem Safety-Car beendet wurde. Ich muss mich wohl beim Chinesen Michael Ho für dessen Unfall bedanken“, gab der Belgier zu.
Stef Dusseldorp (DallaraMercedes) macht die Erfahrung, dass man in Macau schon mit einer Zielankunft viel gewinnen kann. Der 20-Jährige kam als 17. ins Ziel und konnte damit acht Plätze gutmachen. „Ich will zufrieden sein. Aber auf den Geraden fehlt noch eine Menge. Im kurvigen Teil der Strecke ist mein Auto konkurrenzfähig, doch wenn es geradeaus geht, sind die anderen schneller“, kommentierte Dusseldorp sein erstes Macau-Rennen.









